www.kassel.de
Logo: Stadt Kassel

500 Jahre Reformation – Kassel als Vorreiter im Protestantismus

Luther im Mittelpunkt der führenden Köpfe der Reformation; © (Foto: Wikimedia commons)
Die führenden Köpfe der Reformation gruppieren sich um den schreibenden Martin Luther: Von oben links: Heinrich Bullinger, Girolamo Zanchi, John Knox, Huldrych Zwingli, Martir (?), Martin Bucer, Matthew Parker, William Perkins, Philipp Melanchthon, Martin Luther, Jean Calvin, Theodore de Bèze (Beza) und John Wyclif um einen Tisch sitzend, Öl auf Leinwand, 87 x 142 cm, deutsche Schule des frühen 17. Jahrhunderts (Foto: Wikimedia commons)

Zahlreiche Veranstaltungen gibt es in Kassel zum Lutherjahr 2017 - aus gutem Grund, denn Kassel war von Anfang an Teil der religiösen und schnell auch politischen Bewegung des Protestantismus. Dies prägte nicht nur die Glaubensüberzeugungen der Menschen, sondern hatte nachhaltige sichtbare Auswirkungen auf Land und Leute. Hierzu gehören beispielsweise die Betonung der Rechte und der Verantwortung des Einzelnen, aber auch die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Musik.

AKTUELL: 

"Luther und die Musik - ist eine deutsche Musikkultur ohne die Reformation denkbar?“

Die Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ und ihre Fördergesellschaft, Fmaks, laden zu einem kulturhistorischen Blick auf die Bedeutung der Musik für Luther und der Bedeutung Luthers für die Musik ein am Donnerstag, 12. Oktober, um 18 Uhr in die Martinskirche. Im Mittelpunkt werden dabei die Nachwirkungen der Reformation auf die Musikgeschichte stehen.

Die Veranstaltung „Luther und die Musik“ will den Blickwinkel von einem eher theologischen Fokus auf die kulturhistorischen Nachwirkungen der Reformation weiten. In einem einleitenden Fachvortrag wird Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017, die zentrale Bedeutung der Musik und der Musizierpraxis der Laien für die Theologie der Reformation verdeutlichen.

Als weiterer Gast wird Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, erwartet. Gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h.c. Käßmann und dem Wetzlarer Musikhistoriker Dr. Oliver Fürbeth, seit vielen Jahren Dozent an der Musikakademie, wird er über das kulturelle Erbe Martin Luthers diskutieren. Die Moderation übernimmt Werner Fritsch, Leiter der Kulturredaktion der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen aus Kassel.

Damit das Ganze nicht zu trocken wird, werden der Chor und das Orchester der Musikakademie unter Leitung von Alberto Bertino und Thomas Pieper die Veranstaltung musikalisch unter anderem mit zwei Choralkantaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy („Verleih uns Frieden“ sowie „Wir glauben all an einen Gott“)  umrahmen.

Premiumpartner der Veranstaltung ist die Evangelische Bank eG Kassel, deren Unterstützung die Durchführung der Veranstaltung erst ermöglicht.

 

Zur Musik passen zahlreiche Konzerte, und auch dies mit guten Bezügen zur Stadt: So hat der bekannte evangelische Komponist Heinrich Schütz in Kassel seine Ausbildung erhalten. Nach ihm sind eine Schule und eine Straße benannt. Und Johann Sebastian Bach - der große Komponist des Protestantismus - gab in der Martinskirche 1732 ein Orgelkonzert.

Martinskirche, vom Rathaus aus gesehen.; © Stadt Kassel; Foto: Stephan Kaiser Die Türme der Martinskirche prägen Kassels Silhouette

Historie des Protestantismus in Kassel

Mit seinen 95 Thesen zu Missständen in der Kirche hatte der damalige Mönch 1517 in Wittenberg den Anstoß zur Reformation gegeben – nicht ahnend, welche umwälzenden Folgen dies für das Land und den Kontinent haben sollte.

Und die Landgrafschaft wurde schnell ein bedeutendes Zentrum der neuen Bewegung. Landgraf Philipp von Hessen trat bereits 1524 zum Protestantismus über, und gemäß des alten Grundsatzes "Cuius regio, eius religio" (Wessen Reich, dessen Glaube) waren damit auch alle seine Untertanen Protestanten geworden.

Philipp wurde ein bedeutender politischer Anführer des Protestantismus. Er erkannte früh die religiöse und politische Bedeutung der Lehre Luthers und verstand es, Hessen innerhalb kürzester Zeit eine zentrale Rolle im Konzert der protestantischen deutschen und europäischen Mächte des frühen 16. Jahrhunderts zu verschaffen. Er scheute nicht vor Konflikten mit dem Kaiser und der habsburgischen Weltmacht zurück. Die Gegensätze innerhalb der Reformation versuchte er zu kitten. Unter seiner Vermittlung kam es 1529 zum Marburger Religionsgespräch mit Luther und Zwingli.

Hessen verdankt ihm einen bis dahin nicht gekannten Modernisierungsschub in der staatlichen Verwaltung, in Bildung und Forschung (unter anderem mit der Gründung der Universität Marburg) sowie beim Aufbau sozialer Einrichtungen. Nach 49 Jahren Regierungszeit starb Philipp von Hessen, genannt "der Großmütige", und wurde in der Martinskirche beigesetzt. Diese wurde zur traditionellen Begräbnisstätte des hessischen Landgrafenhauses.

Anfang des 17. Jahrhunderts schloss sich Landgraf Moritz der Gelehrte der Lehre des Calvins an. Hessen-Kassel wurde somit evangelisch-reformiert und geriet damit innerhalb des protestantischen Lagers in eine Außenseiterrolle, was im Dreißigjährigen Krieg fast den Untergang zur Folge hatte. Andererseits begründete sich in der konfessionellen Ausrichtung auch eine feste Anbindung an die aufsteigende Macht Brandenburg-Preußen. Auch die Aufnahme tausender ebenfalls reformierter hugenottischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich in Hessen-Kassel ist unter anderem durch die Verbindung zur Lehre Calvins begründet.

Lange gab es zwischen reformierten und lutherischen Gemeinden in Hessen-Kassel Auseinandersetzungen. Die Gemeinden der heutigen Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit Bischofssitz in Kassel sind reformiert, lutherisch oder uniert, bezeichnen sich aber gemeinhin einfach als evangelisch. Die Landeskirche hat sich in dieser Tradition der Überwindung von Gegensätzen verschrieben, auch im Miteinander der Konfessionen.


Martinskirche als Bischofssitz

Die protestantische Hauptkirche in Kassel, die Martinskirche, ist der Bischofssitz der Landeskirche. Sie ist übrigens nicht nach dem großen Reformator benannt. Ihr Namenspatron ist vielmehr Martin von Tours (316/317–397), der Reichsheilige der Franken, der seinen Mantel geteilt hat, der Schutzheilige der Reisenden, der Retter der Armen und Bettler.


Veranstaltungen in Stadt und Region zum Lutherjahr 2017

Veröffentlicht am:   05. 10. 2017  

Service

Social Media